Abstrakte Kunst

Abstrakte Kunst ist eine abweichende Darstellung der Realität in Form, Farbe und Geometrie, die dem Künstler alternative Ausdrucksmöglichkeiten seiner visuellen Betrachtungsweise und eine persönliche Ästhetik ermöglicht und keinerlei Anspruch auf real existierende Objekte erhebt. Dabei kann die Abweichung der nicht-gegenständlichen Kunst geringfügig, teilweise oder vollständig sein. Abstrakte Kunst gibt dem Künstler die absolute Freiheit seine Gefühle und Emotionen ungehindert zu kommunizieren und ohne Einschränkungen seine eigene Vorstellung von Einfachheit, Ordnung und Spiritualität zu propagieren.

Bis zum 20. Jahrhundert war das Grundprinzip in der abendländischen Malerei und des künstlerischen Schaffens der erkennbare Bezug zum Gegenstand und deren möglichst naturgetreue Abbildung. Vorläufer aber gab es weltweit schon in der Steinzeit, wie archäologische Funde beweisen. So z.B. die prähistorischen Felsgravuren in der Blomberg-Höhle in Südafrika oder die Gemälde der Castillo-Höhlen mit ihren ocker- und rotfarbenen Punkten und Handabdrücken. Abstrakte Symbole waren lange Zeit die vorherrschende Form der paläolithischen Kunst bevor sie in figürliche Abbildungen ihren Ausdruck fanden.

Zurück in das 20. Jahrhundert und zu den Wegbereiter einer neuen Ausdrucksform. Bereits Anfang 1900 entfernten sich Maler wie Frantiek Kupka und die Malerin Hilma af Klint von der Welt der realen Darstellung. Zu den bekanntesten, frühen Vertretern der Abstrakten Kunst zählen zweifelsohne der russische Maler Wassily Kandinsky und die Gruppe der „Blauen Reiter“, deren Entwicklungsphasen teilweise in die absolute Gegenstandslosigkeit der geometrischen Formen mündete. Jeder dieser Künstler entwickelte jedoch seine eigene, unverwechselbare Handschrift und legten das theoretische Fundament für diese neue Richtung der Malerei.

Bei der Abstraktion erweitert sich die Ausdrucksweise des Künstlers um seinen eigenen, innerlichen Bezug zu der sichtbaren Realität – seiner Illusion des Gegenständlichen. Das geschaffene Werk kann nur auf der Grundlage seiner Farben, Formen und Linien gewürdigt werden, ohne eine natürliche oder gegenständliche Szenerie darzustellen. Somit hatte es die Abstrakte Malerei nicht nur am Anfang schwer, von einem kunstkritischen Publikum aufgenommen und akzeptiert zu werden, sondern stieß größtenteils auf Ablehnung. Diese fand ihren Höhepunkt in der Zeit des Nationalsozialismus, als abstrakte Kunst als degeneriert und entartet bezeichnet und zum großen Teil vernichtet wurde.

Da nach dem 2. Weltkrieg Europa größtenteils in Trümmern lag und mit dem Wiederaufbau beschäftigt war, etablierte sich in den Vereinigten Staaten der abstrakte Expressionismus. Künstler wie Piet Mondrian, Max Ernst und Mark Rothko, die Europa verlassen hatten trugen maßgeblich dazu bei, dass New York City die Kunstmetropole Paris ablöste und zum neuen Zentrum der Kunstwelt wurde.

Vom Dadaismus mit seinen Vertretern Man Ray und Hans Arp zum Kubismus von Picasso – über den Bauhaus-Stil von Paul Klee zu den Surrealisten Salvador Dali, Frida Kahlo und Joan Miro – bis hin zu den Pop-Artisten Andy Warhol und Keith Haring – die Palette und die Ausdrucksformen der Abstrakten Kunst umfasst eine Vielzahl von Richtungen und Strömungen, hat teils skurrile Auswüchse gezeitigt, sich mit Theater und Musik verbunden und befindet sich bis heute im ständigen Wandel.

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